Aus der “Stadtschreiberin” wird die Zeitung “DreiViertel”

Liebe Leserinnen und Leser, das Stadtschreiberin-Blog wurde Ende 2014 eingestellt. Seit 2015 gibt es dafür die Stadtteilzeitung DreiViertel. Zeitung für das Bochumer Westend (>>LINK) – die online, aber auch in gedruckter Form erscheint.


 

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Menschen & Storys im Westend!

Rückblick und Zukünftiges

Vor rund einem halben Jahr hatte Karin Nell eine wunderbare Idee: „Das Bochumer Westend braucht eine Stadtschreiberin!“ Nell arbeitet beim Evangelischen Zentrum für Quartiersentwicklung in Düsseldorf und brachte mir diese Idee.

Sechs Monate später blicke ich auf viele wunderbare Begegnungen mit sehr unterschiedlichen Menschen in meiner Nachbarschaft zurück. Dafür möchte ich allen Beteiligten, die mir Zeit und wertvolle Geschichten, Erinnerungen, Hinweise und Ideen geschenkt haben, ganz herzlich danken! Nicht zuletzt dem Albert-Schmidt-Haus (Projektträger) und dem Stadtumbau Bochum Westend (Projektförderer).

Ein Halbjahresrückblick – und Zukünftiges

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Aus den „Ruhr-Nachrichten“.

Workshops

Das Zukünftige zuerst: Im Frühjahr 2015 finden zwei Workshop-Reihen für potentielle Stadt(teil)schreiber statt. Denn das Projekt „Stadtschreiber/in“ ist übertragbar auf andere Quartiere, Städte, Regionen! Im Workshop geht es um Konzeptentwicklung, Texte, Interviewtechniken und Finanzierungsmöglichkeiten. Mitmachen können alle, die gerne schreiben und Interesse an ihrem Quartier haben. Anmeldungen und mehr Infos unter http://stadtteilschreiber.de/

In Kooperation mit dem Bochumer Kulturrat, unterstützt durch Bochum Marketing und die Stadtwerke Bochum.

Medien

Rückblick: Dass die lokalen Medien ebenfalls angetan waren von den Geschichten, die sich im Westend finden lassen (>>LINK) und die Leute vom Stadtmarketing für eine kurze Plaudereinheit eine blaue Couch zum Springerplatz brachten (>>LINK), fanden wir natürlich großartig.

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Lesung im „Neuland“ im November.

Lesung

Im Stadtwohnzimmer „Neuland“ an der Rottstraße durften wir im November einige der gesammelten Geschichten aus dem Stadtschreiberin-Blog vorstellen (>>LINK).

Danke an über 30 Gäste, die dabei waren! Dass auch Ruhrgebiets-Poet Frank Goosen kam, fanden wir spitzenmäßig. Noch toller war, dass ich später mit ihm durchs Westend spazieren durfte (>>LINK), denn aus dem Westend stammen (für Goosen-Kenner) Spüli, Pommes, Mücke und er selbst. Übrigens auch seine Omma (>>LINK).

Sechs spannende Monate als Stadtschreiberin

Begonnen hat alles mit Nejla Elif Usta, ohne die es den Gremme-Spielplatz und den Stadtteiltreff gegenüber nicht gäbe (>>LINK).

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Nejla Elif Usta vor dem Stadtteiltreff an der Gremmestraße.

Möglicherweise gäbe es ohne Elif auch das Stadtschreiberin-Blog nicht. Denn ihre Geschichte zeigt, dass es Menschen im Quartier gibt, die mehr in Bewegung setzen, als eine Lokalzeitung jemals erfassen kann. Mittlerweile ist Elif im Umzugsfieber. Mit ihren Veranstaltungen wird sie bald ins gerade fertiggestellte Stadtteilzentrum “Q1 – Eins im Quartier” ziehen.

Ebenfalls dort einziehen wird die Bildhauerin Dorothee Schäfer mit ihrem neuen Atelier.Im Sommer hatte ich sie noch in den damaligen Räumen des Freien Kunst Territoriums (FKT) an der Bessemer Straße besucht (>>LINK). Die Kündigung des Mietvertrags stand damals bereits ins Haus. Lange wurde verhandelt, gehofft, geplant, verworfen. Ende des Jahres war klar: alles muss raus.

Ende des Jahres bekam das Stadtteilzentrum an der Halbachstraße 1 auch einen Namen: „Q1 – Eins im Quartier“. Eröffnet wird es am 12. Juni 2015 – von der Evangelischen Kirchengemeinde Bochum und dem Verein für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe, Migrationsarbeit IFAK e.V.

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Despina hatte eine Tante, die jemanden in Konstantinos Dorf geheiratet hatte. Diese erzählte dem jungen Konstantinos von ihrer schönen Nichte Despina – und die beiden wurden ein Paar…

„Bis jetzt läuft’s gut“

„Mit Despina sollten Sie sprechen, wenn Sie über das Westend etwas schreiben wollen!“, rieten mir verschiedene Leute. Also besuchte ich das kleine Ladenlokal gegenüber dem Café Treibsand, das die griechische Schneiderin Despina seit knapp vierzig Jahren führt – eine herrliche Begegnung, mit einem gut gelaunten Ehemann Konstantinos an ihrer Seite und einer Portion türkisch-griechisch-deutscher Geschichte. (>>LINK).

Konstantinos und Despina sind seit 50 Jahren verheiratet, seit 1971 leben sie in Bochum. „Bis jetzt läuft’s gut“, erklärt Despina. „Und wir bleiben auch zusammen“, ergänzt Konstantinos. (>>LINK)

„Ich könnte mir überhaupt nicht vorstellen, umzuziehen“

Ob Griechenland vom Westend weiter entfernt ist, als Stiepel, sei dahingestellt. Alix Eisele jedenfalls zog vor drei Jahren vom gutbürgerlichen Stiepel in die Rottstraße im Westend: „Weil hier was los ist. Und weil hier jeder so leben kann, wie er will.“

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„Als ich jung war, wollte ich unbedingt eine große Künstlerin werden“, sagt Alix Eisele (links, mit Sara Duldhardt), gelernte Bildhauerin. Dann wurde sie Mutter und überhaupt kam vieles anders.

Mit Sara Duldhardt führt Alix Eisels heute ihr eigenes Zwei-Frau-Unternehmen, die Großtagespflege „Mondgesicht“ auf der Annastraße. „Es gibt im Griesenbruch einen starken Dorfcharakter, den ich sehr liebe. Man kennt sich. Die Menschen sprechen auf der Straße miteinander. Das passiert einem in Stiepel selten. Vielleicht nie.“ (>>LINK)

„Ich könnte mir überhaupt nicht vorstellen, umzuziehen“, sagt eine Frau, die ich im Oktober am Tag der Offenen Moschee treffe. Wir sitzen vor der Moschee auf der Schmidtstraße. Die Frau schüttelt heftig den Kopf. Niemals würde sie aus dem Westend wegziehen. „Vor allem könnte ich nicht irgendwohin, wo ich überhaupt niemanden kenne!“ Ihre Schwester sei kürzlich nach Bochum-Höntrop gezogen. „Sie scheint sich dort eingelebt zu haben. Ich könnte das nicht.“ (>>LINK)

Das ist Heimat.

Beim Tag der Offenen Moschee höre ich auch die lustigste und absurdeste Geschichte einer Namensgebung – von Herrn Tekin, der die Besucher durch die Moschee an der Schmidtstraße führt. Und die ging so:

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„Vielleicht möchten sie meine Mutter fotografieren? Oder hier, die jungen Frauen am Buffet?“

Die Familie von Herrn Tekin stammt aus einem kleinen Dorf in Anatolien. Zum nächsten Amt sind es dort manchmal mehrere Kilometer. Nach Tekins Geburt wurde sein Großvater losgeschickt, den Neugeborenen eintragen zu lassen. Die Reise muss lang und beschwerlich gewesen sein. Jedenfalls hatte der Großvater, als er vor dem Beamten stand, vergessen, wie sein jüngster Enkel heißen sollte. Was tun? Umkehren? Um noch einmal herzukommen? Der vergessliche Großvater entschied, für seinen jüngsten Enkel einen Namen eintragen zu lassen, den er sich auf jeden Fall würde merken können: Tekin. So heißt Herr Tekin nun Tekin auch mit Vornamen (>>LINK).

Im Griesenbruch und in Stahlhausen hat sich durch den Stadtumbau Bochum Westend (>>LINK) in den vergangenen Monaten manches verändert, vieles wurde erneuert.

In Goldhamme gehen die Investitionen weiter. Laura Herold will dabei mitreden und gründete deshalb zusammen mit einem kleinen Team die Bürgerinitiative Goldhamme (>>LINK). Das nächste Treffen findet übrigens am 13. Januar 2015 um 20 Uhr in der Alten Post statt, mehr hierzu unter: http://bi.goldhamme.de/

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Jura-Studentin Laura Herold freut sich, dass sie ihr Referendariat in Bochum machen kann. An die anschließende Jobsuche denkt sie ungern, weil das möglicherweise einen Umzug nach Düsseldorf oder Hamburg oder Berlin bedeutet. „Für mich ist Goldhamme meine Heimat.“

Auch die Eröffnung der neuen Alten Post gehört in die aufregenden sechs Monate, die ich als Stadtschreiberin beobachten durfte! (>>LINK) Voll war es dort von Anfang an. Die meisten kommen, weil sie dort ihre Nachbarn treffen. Inzwischen kommen allerdings auch Besucher aus anderen Vierteln in den Stadtteiltreff – weil dort so viele unterschiedliche Sprachen gesprochen werden.

„Das Leben in Goldhamme sei für ihn als Kind unkompliziert, unbeschwert gewesen“, erzählt der Künstler Marcus Kiel, der an der Goldhammer Straße aufwuchs und für den neuen Radwegtunnel im Westpark ein Kunstwerk gestaltet hat.

In der Nacht, bevor er das Kunstwerk zusammen mit Freunden an der Stützmauer vor dem Tunnel anbrachte, konnte er vor Aufregung kaum schlafen (>>LINK).

Bei der feierlichen Eröffnung des Kunstwerks im November sagte die 99-jährige Anna Peschel „Das ist ein Erlebnis!“ Gesehen habe man damals von der Arbeit im Stahlwerk nichts, sagt Frau Peschel, die im Dezember 100 Jahre wurde. Das Gelände sei ringsum fest verschlossen gewesen. Aber die Gerüche und der Staub seien ihr in der Nase geblieben (>>LINK).

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„Wenn man monatelang auf etwas gewartet hat und wenn dann der Moment kommt, in dem genau das wirklich passiert – dann ist das schon aufregend.“ – Marcus Kiel brachte im Juli 2014 sein Kunstwerk im Westpark an.

Hiermit endet das Stadtschreiberin-Blog! Danke an alle, die mitgemacht, mitgelesen und kommentiert haben. Danke auch an alle, die uns auf facebook begleitet und “geliked” haben!

Über ein Wiedersehen und neue Begegnungen über das Netzwerk-Blog-und Workshop-Projekt “Startteilschreiber” freue ich mich! Aktualisiert wird unter stadtteilschreiber.de

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