Westendfest (2)

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„Wie soll dat Kind denn heißen?“ – Das neue Stadtteilzentrum an der Halbachstraße/Baarestraße braucht noch einen Namen. Sie haben bestimmt eine Idee! Foto: Dorte Huneke

Mein Haus, meine Leute, mein Quartier! Wenn das die Leute im Westend in Zukunft über das neue Stadtteilzentrum sagten, wäre Holger Nollmann glücklich. Der Pfarrer der Friedenskirche hat fürs Westendfest ein Modell des neuen Stadtteilzentrums anfertigen lassen, das die Evangelische Kirchengemeinde Bochum in Kooperation mit der Migrantenorganisation IFAK betreiben wird.  So lässt sich vorab schon mal ahnen, wie es Ende des Jahres an der Halbachstraße/Baarestraße aussehen wird. Programmatisch trägt Holger Nollmann zum Fest ein T-Shirt mit einem Halbmond, einem Kreuz und einem Judenstern, auf dem steht: “Defend – Coexist”.

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„Ich lebe im Westend, weil…“, „Im Westend fehlt…“, „Schreiben Sie doch mal über…“ – mit einem Würfel voller Fragen war die Stadtschreiberin auf dem Westendfest unterwegs. Foto: Dorte Huneke

Ende 2014 wird das neue Stadtteilzentrum an der Friedenskirche fertig sein – mit Büros, Gruppenräumen und Sälen. Anfang 2015 findet eine offizielle  Eröffnungsfeier statt, zu der alle Bewohnerinnen und Bewohner des Bochumer Westends herzlich eingeladen sind, wie es auf den Flyern heißt. Aber eine Frage ist noch offen: „Wie soll dat Kind denn heißen?“ In einer Box werden Namensvorschläge gesammelt, übrigens noch bis zum 30. November 2014. Wie dat Kind dann heißen soll, darüber entscheidet eine Jury – und wird ein Schild anfertigen lassen, auf dem auch der Name des Namensgebers zu lesen sein wird.

Die Stadtteilschreiberin wird beide Namen wahrscheinlich aus ihrem Arbeitszimmer heraus lesen können, denn das Stadtteilzentrum steht genau vor ihrer Haustür. Das Modell aus Ton steht in ihrem Wohnzimmer, weil Holger Nollmann ihr Lebensgefährte ist. Aus der Haustür rechts steht der neue Kindergarten, der zum Gebäudekomplex Stadtteilzentrum gehört.

Hier arbeitet N. Elif Usta, die mir vor ein paar Wochen erzählt hat, wie der Gremmepark-Spielplatz entstanden ist (>>„Das schaffst du eh nicht!“). Auf dem Westendfest ist sie sonnengebräunt, vor wenigen Tagen aus dem Urlaub zurückgekommen. „Heeeiiißßß, war es in der Türkei!” Wer den Sommer in Bochum verbracht hat, versteht nicht wirklich, was das Wort „heiß“ bedeutet. Am Stand der „Kindervilla Pfiffikus”, wie die Kita der Evangelischen Gemeinde und der IFAK nun heißt, gibt es trotzdem kalte Getränke. „Wir haben viel gelacht, viel getanzt“, sagt Petra Meier gegen Ende des Tages. Sie leitet die Kita zusammen mit Stephanie Schoenfeld von der Ifak. „Ich lebe zwar nicht im Westend, aber durch meine Arbeit bin ich natürlich hier verortet.“ Seit 2003 arbeitet sie im Viertel als Kita-Leiterin. „Ich habe mir den Sozialraum damals sehr genau angeguckt. Mir hat das alles gut gefallen. Ich habe einen tollen Job, der viele Vernetzungen bietet.“

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Eine fotografische Hommage,ein Stadtportrait in Bildern von Emanuela Danielewicz.

Am Abend des Westendfests hat es dann doch noch geregnet. Wer rechtzeitig ins Café Treibsand flüchtete und ein bisschen Zeit mitbrachte, konnte später am Abend dort die Eröffnung der neuen Ausstellung von Emanuela Danielewicz erleben: „Leben im Westend – Maison Incroyable“. Eine fotografische Hommage,ein Stadtportrait in Bildern, nennt Emanuela Danielewicz ihre Arbeit. Unglaublich viel Aufmerksamkeit und Zeit widme die Künstlerin ihren Motiven, erzählt eine Frau aus dem Westend, die in der Reihe „Maison Incroyable“ vorkommt. „Unglaublich schöne Bilder!“, schwärmt Halil Şimşek.

Apropos Haus und Westend. Die meisten, die hier wohnen, scheinen wegen der günstigen Mieten hergekommen zu sein. Egal ob vor sechzig, vierzig oder drei Jahren. Heidemarie Zilke fand ihre Wohnung im Westend vor vierzig Jahren. Wegziehen kam für sie nie in Frage. „Ich bin das alles so gewohnt hier. Ich habe eine günstige Wohnung, wir wohnen nah zur Stadt, die Leute sind nett. Und schauen Sie mal, wie schön der Springerplatz geworden ist!“ Als sie vor fast dreißig Jahren am Haltener Stausee einen jungen Mann kennenlernte, überredete sie ihn, ebenfalls ins Westend zu ziehen. So wurde Franz Josef Budde vor 25 Jahren ebenfalls ein Westender. Und wirkt damit sehr zufrieden.

Ja, die Liebe …!

Was ist das eigentlich, die Liebe? „Liebe ist für mich mehr als nur ein Wort“, sagt Ulrich Dröghoff. „Liebe ist Vertrauen, Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit, in den Arm nehmen, trösten, miteinander lachen, der Augenblick als solcher, gegenseitige Rücksichtnahme, Verstehen, ohne zu reden.“ Er gehört zu den Menschen im Westend, die mit sehr viel Liebe, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit im Westend ihrer Arbeit nachgehen. Weshalb die Bewohner des Albert-Schmidt-Hauses ihn, nachdem er in Rente ging, nicht gehen ließen, und weshalb er, nachdem er in Rente ging, einen Schreibtisch im Albert-Schmidt-Haus behielt. Am Tag vor dem Fest kommt er von einem einwöchigen Ausflug mit Seniorinnen und Senioren zurück. „Ach, toll war das! Wie immer. Das sind alles tolle Leute.“ Eine zweite Familie.

„Liebe ist Familie”, sagt Stadtplaner Karsten Schröder. „Und schön.”

 

[Fortsetzung von >>„Heute war Westendfest“]

Siehe auch: www.facebook.de/stadtschreiberinbochumwestend

 

 

 


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